
Das wichtigste Produkt im Edelstahlkonzern BÖHLER-UDDEHOLM ist Werkzeugstahl, den man in Kaltarbeits-, Warmarbeits- und Kunststoffformenstahl unterteilt. Werkzeugstahl ist in unserem Konzern in der Division High Performance Metals angesiedelt. Ausgangsmaterial für Werkzeugstahl ist vorsortierter Schrott, den wir von Schrotthändlern und von der metallverarbeitenden Industrie beziehen oder aus den Produktionsüberresten unserer eigenen Werke wiederverwerten. Dieser Qualitätsschrott wird in Elektrolichtbogen Öfen mit Kapazitäten von 25, 50, 70 beziehungsweise 100 Tonnen an den Standorten Kapfenberg (Österreich), Hagfors (Schweden), in Sumaré (Brasilien) und in Wetzlar (Deutschland) bei Temperaturen um 1.600° C geschmolzen. Für kleinere Mengen stehen zusätzliche Induktionsöfen zur Verfügung.
|
 |
Die Schmelze wird dann in sogenannte Pfannen umgegossen, in denen weitere metallurgische Arbeit geschieht und die endgültige Legierung bestimmt wird. Die wesentlichsten Legierungselemente sind Vanadium, Chrom, Nickel, Wolfram, Kobalt und Molybdän. Moderne Computersysteme steuern den Schmelzvorgang, die chemische Zusammensetzung jeder Schmelze wird in werkseigenen Labors überprüft. Bei Werkzeugstählen beträgt der Legierungsanteil im Schnitt 5 bis 15%, bei hochlegierten Sonderstählen bis zu 50%. Deshalb auch die Bezeichnung Edelstahl.
|
 |
Anschließend wird die Schmelze in Blöcke mit einem Gewicht von 0,6 bis 50 Tonnen gegossen. Diese Blöcke werden dann im modernsten Mehrlinienwalzwerk der Welt (Kapfenberg, Sumare) warmgewalzt oder mit Hochleistungs-Schmiedemaschinen (Hagfors, Kapfenberg, Sumaré) geschmiedet. Die Endprodukte reichen von großen Blöcken, Stäben und Profilen bis hin zu Drähten aus Werkzeugstahl, die deshalb als Langprodukte (im Gegensatz zu Flachprodukten) bezeichnet werden. Im Blechwalzwerk (Mürzzuschlag) werden Tafelbleche gewalzt.
Die wichtigsten Abnehmer für Werkzeugstahl sind die Werkzeugbauer. Insgesamt beliefert unser Konzern über 100.000 Kunden weltweit. Der Werkzeugbauer bezieht von uns aber nicht nur den Werkzeugstahl, sondern auch Know-how und Beratung sowie Serviceleistungen (Bearbeitung, Oberflächenbehandlung, Wärmebehandlung, etc.), damit die richtige Qualitätsauswahl und Weiterverarbeitung des Werkzeugstahls gewährleistet ist. Die durchschnittliche Liefermenge an einen Werkzeugbauer liegt bei rund 110 kg Werkzeugstahl.
Der Werkzeugbauer fertigt aus Werkzeugstahl Industriewerkzeuge und Formen zum Schneiden, Stanzen, Fräsen beziehungsweise zum Umformen von Metallen und Kunststoffen und liefert diese dann an die Hersteller von unterschiedlichen und vielfältigen Produkten. Das sind vor allem die Zulieferbetriebe der Automobilindustrie aber auch die Werkzeug- und Maschinenhersteller, Flugzeughersteller, Konsumgüter- und Elektronikindustrie, Holz- und Sägeindustrie, Textil- und Papierindustrie, Stahl- und Apparatebau, Chemie und Petrochemie, Kraftwerks- und Anlagenbau sowie Ölfeldtechnik.
|
 |

BÖHLER-UDDEHOLM ist weltweit der führende Hersteller von Werkzeugstahl mit einem (wertmäßigen) Marktanteil von rund 34%. Die jährliche Rohstahlproduktion des Konzerns beträgt etwa 800.000 Tonnen. Dieser Spezialstahl ist ein klassisches Nischenprodukt, wobei nicht die Menge ausschlaggebend ist, sondern die Qualität (Haltbarkeit, Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Polierbarkeit). Die Preise für Werkzeugstahl liegen daher deutlich über jenen von Massen-, Bau- oder Rostfrei-Standardstählen.
Weitere Informationen finden Sie im Geschäftsbericht 2006.
|
 |
|
|
|